Ein viertes Mal in Ghana - Zwei Wochen in Gomoa Tarkwa

Zwei Wochen, 14 ganze Tage – die können ziemlich schnell vorbeigehen. Während unserer Reisen nach Ghana haben wir gelernt, dass man sich so viel Zeit nehmen kann, wie man will, dass man so viel im Voraus planen kann, wie es geht – im Endeffekt müssen einfach viele kleine Komponenten zusammenspielen, damit gemachte Pläne vor Ort auch umgesetzt werden können. Letztes Jahr kamen wir, wie ihr euch erinnert, etwas desillusioniert aus Ghana zurück. Kaum etwas hat funktioniert, die vier Wochen, die uns Anfangs unglaublich lang vorkamen, waren plötzlich viel zu kurz. Und dieses mal nur die Hälfte der Zeit und eine mehrseitige To-Do-Liste? Konnte das gut gehen? Wir können voller Stolz sagen. Ja! Das Schicksal war uns diesmal anscheinend wohlgesonnen, die vier Wochen in Ghana letztes Jahr sehen wir als notwendige Grundlage für unseren Erfolg dieses Mal.
Chronologisch gesehen ist Folgendes geschehen: Den wichtigsten und nervenaufreibendsten Punkt konnten wir gleich in den ersten Tagen abhaken, endlich haben wir das Grundstück, auf dem das Waisenhaus gebaut ist, gekauft, und alles Eigentum übertragen lassen. Das Waisenhaus gehört jetzt also der Stiftung Home for Hope, der Aufwand mit Anwälten, Papieren und notwendigen Unterschriften hat sich mehr als gelohnt. Gleich darauf haben wir auch den Prozess der Anmeldung des Waisenhauses beim zuständigen Sozialamt in die Wege geleitet, in etwa einem Monat sollte unser Waisenhaus lizensiert und registriert sein. Die bürokratischen Dinge haben also überraschenderweise schnell geklappt und haben uns viel Raum für die Umsetzung unserer weiteren Programmpunkte gegeben.
So konnten wir die Wasseraufbereitungsanlage, die schmutziges Wasser in komplett reines Trinkwasser wandelt und die schon letztes Jahr per Frachtcontainer nach Ghana und weiter in das Waisenhaus gebracht wurde, erfolgreich anschließen. Unseren Mitarbeiter John haben wir in deren Bedienung und Reinigung eingewiesen, jetzt fehlt nur noch Strom, um die Maschine regelmäßig benutzen zu können. Die Sache mit dem öffentlichen Stromnetz hat uns dieses Mal bis in das eindrucksvolle Büro der Elektrizitätsbehörde in Accra geführt: Durch Johns Kontakte konnten wir dort bei einem ranghohen Mitarbeiter vorsprechen und ihm erklären, dass unser Waisenhaus wirklich dringend an das Stromnetz angeschlossen werden muss, dieses Projekt aber schwierig von uns alleine zu stemmen ist. Er hat versprochen, sich unserer anzunehmen, und nun warten wir auf eine positive Antwort, also die komplette oder teilweise Kostenübernahme - für uns wäre es toll, auch einmal die ghanaischen Behörden als Unterstützer zu haben.
Die wohlbekannten, obligatorischen Besuche auf dem Markt und in der Schule konnten wir auch ohne Schwierigkeiten bewerkstelligen: Die Kinder haben genug Nahrung, Medikamente, Schulmaterialien und Hygieneartikel für die nächsten Monate, die Schulgebühren sind für alle Kinder für die nächsten neun Monate im Voraus bezahlt, genauso wie die Löhne für unsere vier Mitarbeiter John, Ma, die Waschfrau Esther und die Lehrerin Vivian. Ab September wird zudem eine Krankenschwester zu unseren Mitarbeiten gehören, welche 2-mal wöchentlich nach dem Gesundheitszustand der Kinder schauen wird.

Schön für uns war, dass die Kinder gerade Schulferien hatten und wir somit viel Zeit mit ihnen verbringen konnten. Außerdem heißt das Ende der Schule wie auch in Deutschland die Verteilung der Zeugnisse - wir durften jedes einzelne Zeugnis bewundern und sind unglaublich stolz auf die Kinder! Jedes in seinen Stärken unterstützen und die bestmögliche Bildung garantieren zu können, das wird eines unserer großen Zukunftsprojekte sein.
Über Projekte anderer Vereine und Organisationen haben wir dieses Mal auch Einiges erfahren: Wir hatten einen unglaublich netten Besuch von Maxi, einem Deutschen in unserem Alter, der mit seinem Verein "Moja kwa Moja" Schulen in Kenia und Ghana unterstützt, und seiner Freiwilligen Felicitas. Beide kommen noch einmal in das Waisenhaus zurück, um dort das Projekt "Children for Children" mit unseren Kindern durch das Knüpfen von Armbändern umzusetzen. Außerdem haben wir noch eine ghanaische Organisation kennengelernt, die uns viel über Bildungsmöglichkeiten für junge Erwachsene erklärt hat.
Und nun sind wir auch richtig im Dorf bekannt: Am Wochenende nach unserer Ankunft fand in Gomoa Tarkwa ein großes, fünftägiges Festival statt, typisch ghanaisch mit viel Tanz, Musik und Ausgelassenheit. Vorallem das Tanzen stand im Mittelpunkt, und so hatten wir die Möglichkeit, mit allen Dorfbewohnern und – das war etwas aufregend- vor den „Chiefs“, also den mächtigsten Männern des Dorfes, zu tanzen. Zwei weiße Frauen, mitten in einem ghanaischen Dorf, tanzend in der Menge, das sorgte für ziemlich viele Lacher. Nach dem Festival haben wir uns trotzdem erst einmal zwei Tage Pause am Strand gegönnt- so viel Trubel ist für unsere europäischen Nerven manchmal schwierig zu verkraften.

Für John gab es dieses Mal noch einen besonderen Grund zu Freude: Da er die Strecke vom Dorf zum Waisenhaus täglich mehrmals laufen oder kranke Kinder notgedrungen mit dem Taxi ins Krankenhaus bringen muss, konnten wir ihm bei dem Erwerb eines Motorrollers für das Waisenhaus unterstützen, welcher so vieles für ihn und die Kinder einfacher macht.

Um die Zukunft des Waisenhauses haben John und wir uns viele Gedanken gemacht. Die wichtigsten Punkte sind die für den Ausbau der Selbstständigkeit des Waisenhauses. Dafür soll ein weiteres Ackerland neben dem Waisenhaus sowie Vieh und Saatgut gekauft werden. Auch soll das Waisenhaus noch kinderfreundlicher werden, ein Spielplatz und ein Fußballfeld soll den Kindern noch mehr Spaß bringen. Und irgendwann einmal soll es noch eine Schule geben, die für auch für Kinder aus dem Dorf offen sein soll. Es war toll zu sehen, dass John mit seinen tausend Ideen für das Waisenhaus genau auf unserer Wellenlänge ist.
Wir finden, zwei Wochen oder 14 Tage können auf jeden Fall reichen, um viel zu bewirken – wir sind so froh, dass wir dieses mal mit einem richtig guten Gefühl aus Ghana zurückkehren konnten! Über unsere nächsten Events und Aktionen halten wir euch natürlich auf dem Laufenden.

Danke für eure Hilfe! Wie immer gilt: Ohne euch gäbe es an dieser Stelle nichts zu berichten, ohne euch wäre das alles hier und in Ghana nicht möglich.

Um euch einen noch besseren Einblick in unsere Ghana Reise zu ermöglichen, haben wir zu all den Punkten Bilder hochgeladen. Schaut sie euch doch gleich mal an „smile“-Emoticon

Wir freuen uns auf alles, was die Zukunft bringt!

Eure Caro und Lari