Die Ghanareise #6

„Was habt ihr denn dieses Mal so geschafft in Ghana?“, wurden wir seit unserer Ankunft in Deutschland vor drei Tagen von vielen Seiten gefragt. Da wir für diese Reise kein Großprojekt, wie z.B. der Schulbau während der Reise im Mai, zu implementieren hatten, ist diese Frage nicht einfach in einem Satz zu beantworten. Falls ihr euch aber nun auch schon über unsere Erfolge der 14 Tage in Ghana Gedanken gemacht habt, haben wir hier unseren Abschlussbericht dieser sechsten Ghanareise schwarz auf weiß:

Wir selbst assoziieren diese Reise mit den großen Themenblöcken Strukturschaffung, nachhaltige Organisation und dem Planen für die Zukunft. So haben wir in stundenlangen Gesprächen mit John sowohl einen detaillierten Finanzplan als auch einen Lebensmittelplan erstellt, die genau aufzeigen, wie viel laufende Kosten das Waisenhaus und die Schule monatlich im Hinblick auf Verpflegung, Löhne und sonstige Ausgaben verursachen. Für uns und für John sind solche genauen Pläne vor allem im Hinblick auf die Zukunft wichtig: So können wir schon weit im Voraus den Großteil der Kosten planen und demnach unsere Finanzen einteilen. Doch nicht zur die zukünftige Kosten haben uns dieses Mal beschäftigt, sondern auch die zukünftigen Laufbahnen unserer 11 ältesten Kinder, die alle in etwa drei Jahren die Schule beendet haben werden. Getreu unserem Motto „jedes Kind in seinen individuellen Stärken zu fördern“, haben wir uns lange mit den Kindern unterhalten und uns von jedem Einzelnen genau aufschreiben lassen, was es denn konkret für seine Zukunft plant. Studieren oder nicht, Ausbildung oder Computerschule, bald werden die Kinder vor wichtigen Entscheidungen stehen und wir möchten ihnen unbedingt alle Optionen ermöglichen können. Deshalb werden wir für das Jahr 2017 ein Patenschaftskonzept erarbeiten, wonach jedes der 11 Kinder von einem oder mehreren Sponsoren während seiner individuell passenden Weiterbildung gefördert wird. Wir sind jetzt schon sehr motiviert, euch nächstes Jahr unser Sponsorenprogramm genauer vorstellen zu können!

Unsere 25 kleineren Kinder haben derweil eine tolle Zeit in ihrer „eigenen“ Schule. Wir konnten uns nun ja endlich selber ein Bild der „Home for Hope Preparatory School“ machen und können guten Gewissens sagen, dass diese Schule der richtige Ort ist, um Kinder zum Lernen zu begeistern. Die Lehrer sind qualifiziert und freundlich, der Direktor hat alles gut unter Kontrolle, die externen Schulkinder verstehen sich bestens mit unseren Kindern, der Schulalltag läuft also blendend. Wir haben die Schule außerdem mit einer riesen Menge an benötigtem Lehrmaterial in Form von Schulbüchern, Heften und Material für die Lehrer ausgestattet und eine kleine und in Zukunft hoffentlich wachsende Bibliothek mit ghanaischen und ausländischen Romanen eingerichtet, die von den Schulkindern bereits rege in Anspruch genommen wird.

Was uns auch noch in den Kopf kommt, wenn wir diese Reise Revue passieren lassen, ist viel, viel Herumgefahre. Wir waren mehr als sonst in Accra, Swedru und anderen Orten unterwegs, um einmal natürlich Essen, Bücher etc. für das Projekt zu kaufen, andererseits aber auch um wichtige Beziehungen, z.B. mit dem Bankdirektor, dem Direktor der Schule, die unsere 11 größten Kinder zurzeit besuchen, mit unserem Bauherr und auch anderen vielversprechenden Kontakten zu pflegen und aufzubauen. Die gefühlten 1000 Stunden in diversen Trotros haben sich also gelohnt! Langsam kennt man uns in der Gegend, und das ist nicht nur für uns persönlich ein schönes Gefühl, sondern diese freundschaftlichen Geschäftsbeziehungen, die in Ghana ganz normal gehalten werden, haben auch einen positiven Effekt auf das Projekt.

Aber natürlich haben wir neben „Networking“ und Organisatorischem auch wie gewohnt Spendengelder konkret verwendet. Insgesamt haben wir dieses Mal rund 6.000 € ausgeben, diese Summe gliedert sich in:

- 2.700 Euro für alle unsere neun Mitarbeiter (Lehrer inklusive)

- 1.400 € für Lehrmaterial für die Schule

- 1.000 Euro für Lebensmittel und Hygieneartikel

- 1.200 Euro für kleinere sonstige Ausgaben, wie einer Nähmaschine, Stoffbahnen für unsere Schuluniformen und einem Bügeleisen- und brett.

Für die nahe Zukunft haben wir nun aber wieder größere Summen vor uns: Dringend benötigt wird ein eigener, kleiner Schulbus, um die Kinder aus dem umliegenden Dörfern zu unserer Schule bringen zu können. Diese Investition korreliert mit dem Plan, die Schule sobald wie möglich um vier weitere Klassenzimmer zu erweitern; wir wollen so vielen Kindern wie möglich Platz in der „Home for Hope Preparatory School“ bieten. Diese zwei Punkte werden wieder relativ kostenintensiv sein, wir zweifeln jedoch nicht an deren baldiger Umsetzung!

Zu Ghana selbst gibt es vor allem wahltechnisch viel zu berichten: Am 7. Dezember wurde dort nämlich der neue Präsident gewählt, das Land war sehr angespannt, als dann jedoch am 9.Dezember, gerade als wir schon in der Abflughalle des Flughafens Accra auf unser Boarding gewartet haben, das Ergebnis verkündet wurde, brach der Jubel im ganzen Flughafen aus: Die Oppositionspartei hatte gesiegt und so regt sich in Ghana nun die Hoffnung nach – vor allem wirtschaftlichen – Aufschwung, nach einer positiven Veränderung. Natürlich ist auch bei diesen Wahlen alles friedlich geblieben, Ghana gilt weiterhin als das Vorzeigeland Afrikas im Hinblick auf seine Umsetzung von Demokratie und dessen Umgang mit politischen Spannungen.

Von unserer Seite aus ist nun alles gesagt; falls ihr noch genauere Fragen zu unserer Reise oder zum Projekt allgemein habt, gerne für etwas Konkretes im Projekt spenden wollt, Ideen für Spendenaktionen habt oder als Freiwilliger eine Zeit lang im Projekt mithelfen wollt – kontaktiert uns wie immer unter info@home-for-hope.de!

Danke, dass ihr diesen Abschlussbericht überhaupt erst möglich macht.

Eure Caro und Lari